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Möchten Sie mehr wissen? Die Frischung
& Stabeisen
Wenn Sie einen Ortsnamen mit der Endung –„hammar“
sehen, müssen Sie wissen dass es hier einmal eine Luppenschmiede
gab – eine Anlage für das Herdfrischen von Masseleisen zu schmiedbarem
Eisen. Die meisten Luppenschmieden wurden schon vor dem 20.Jahrhundert
geschlossen.
Bis zur Regierungszeit von Gustav Vasa wurde die Frischung
handwerksmäßig in kleinen Herden in der Nähe vom Hochofen
betrieben. Das Satzgewicht betrug nur einige Kilogramm. Laut Tradition
von der vorgeschichtlichen Zeit, teilte man in der Regel dies in kleinere
Teile, Osmundeisen genannt, auf und packte diese in Holzfässer.
Während der Regierungszeit von Gustav Vasa stellte man
das besser bezahlte schmiedbare Stabeisen her. Dieses Eisen war sofort
anwendbar für die Herstellung von verschiedenen Produkten in größerem
Umfang. Dies hatte zur Folge, dass die Veredelung von Masseleisen jetzt
in größerem Umfang geschah und somit die Herstellung von Hochofenorten
in die speziellen Luppenschmieden verlegt wurde.
Die „Frischung“ von Masseleisen geschah durch Schmelzen in
einem Herd, einem offenen Kohlenfeuer mit starkem Luftgebläse von
der Seite und fließender Schlacke auf dem Boden des Herdes. Als
der Kohlenstoff auf Grund der Einwirkung von dem Luftgebläse und
der Schlacke abnahm, stieg der Schmelzpunkt was in zähe Klumpen in
der Schmelze resultierte. Unter gewissen Bedingungen geschah die Umwandlung
mit solcher Wärmeentwicklung, dass die Schmelze zu „kochen“
begann. Die Frischluppen wurden zusammengetan und im Herd mit Hilfe eines
Brecheisens gemischt, das sogenannte „brechen“.
Als der Satz fertig war hatte man einen großen Klumpen schwammiger
halbgeschmolzenes Eisen mit niedrigem Kohlenstoff in der Mitte des Herdes.
Diese Schmelze wurde aus dem Herd genommen und auf den Amboss von einem
wassergetriebenen Hammer gelegt und gehämmert, sodass die ganze zurückgebliebene
Schlacke herausgepresst wurde.
Die Schmelze wurde dann in mehrere viereckige „Schmelzstücke“
geteilt. Diese mussten danach wieder in Schweißöfen angewärmt
werden um danach in lange Stangen zu schmieden.
Die Hammerschmieden wurden im 16.Jahrhundert vom Staat gebaut, konnten
aber im 18.Jahrhundert und 20. Jahrhundert von einem Werksbesitzer oder
Großhändler in der Stadt betrieben werden der einen Verwalter
am Werk anstellte.
Alle Anlagen besaßen eine staatliche Genehmigung, ein “Privilegium“,
oder ein „Schmiedesrecht“ für eine erlaubte maximale
Quantität Stangeneisen die für den für den Export bestimmt
war.
Im Verschiffungshafen in Stockholm hatte der Staat Kontrolleure
welche die Qualität testeten, die Markierungen mit dem Stempel des
Werks kontrollierten und das Gewicht der Partien bei der Verzollung nachprüften.
Dieser Vorgang geschah im südlichen Teil der Stadt, heute Slussen
genannt. Das Eisen wurde von Schiffen auf den Kai an der Mälarseeseite
des Hafens abgeladen und auf Schiffe am Skeppsbron verladen. Die Schiffe
fuhren dann über die Ostsee in die verschiedenen Länder. Es
geschah kein Exporthandel mit Masseleisen- dieser war verboten. Alles
sollte im Lande zu Stabeisen umgewandelt werden, da dies die rentabelste
Art war Eisen zu verkaufen.
Walzwerke, die nur kleinere Dimensionen hantieren konnten
waren außerdem so etwas wie eine Seltenheit. Die Herstellung von
Blech geschah durch Aushämmern der viereckigen Rohlinge. Das Format
der Bleche war nicht größer als eine heutige Abendzeitung.
Im 18.Jahrhundert war die schwedische Eisenindustrie sehr
wirtschaftlich. Das schwedische Exporteisen war von guter Qualität,
weil die angewendeten Eisenerze keine Verunreinigungen enthielten und
gut auf dem Markt bezahlt wurden. Besonders bevorzugt wurden die besten
Warenzeichen von Werken im nördlichen Uppland, genannt “Öregrund
iron“, da diese sorgfältig mit der Wallonenmethode aus Dannemoraerz
hergestellt wurden und auf Grund des niedrigen Manganhaltes ein hartes,
stahlähnliches Material waren, besonders geeignet für Waffenklingen.
In England wurden diese Sorten für die Herstellung von Spezialwerkzeuge
und Instrumente verwendet.
Betrachtet man Zahlen, ist es erstaunlich wie gering die
Herstellung in der gesamten Industrie bis zum 18.Jahrhundert war. Eisen
war teuer und alle Maschinen waren daher aus groben Holz gebaut. Eisenbahnen
gab es nicht, auch gab es keine Eisenbrücken oder Schiffe aus Eisen.
Ein kleines Eisenwerk hatte vielleicht eine Jahresproduktion von 10-20
t. Die entspricht heute einen Lkw mit Anhänger.
Ein großes Werk hatte wahrscheinlich eine Genehmigung für die
Herstellung von 500 t. Heute produziert ein großes Stahlwerk mehr
als 1 Million t pro Jahr oder mehr.
Eine neue Technik für die Herstellung in großem
Maße von einfachem Handelseisen wurde im 18.Jahrhundert in England
entwickelt. Dies war möglich durch die Anwendung von Koks als Brennmaterial.
Exportwege und Märkte wurden während der Napoleonkriege verändert.
Zwischen den Jahren 1820 und 1840 geriet die schwedische Eisenindustrie
in eine schwere strukturelle Krise. Viele kleine schwache Unternehmen
wurden geschlossen und nur diejenigen die in neuen Techniken investieren
konnten, überlebten diese.
Jetzt wurde die Lancashire-Schmiede eingeführt. In
einer Lancashire-Schmiede konnte man eine Schmelze in 45 Minuten dekarbonisieren.
7 t schwere von Wasserrädern getriebene englische Hammer vom Typ
Mumblinghammer, wurden installiert um die Schmelzen zusammen zu hämmern
Besondere Schweißöfen für nochmalige Wärmung der
Schmelze wurden errichtet. Anstatt Stabeisen zu hämmern wurde ein
Walzwerk gebaut, das eine hohe Produktion von ebenen und glatten Stabeisen
möglich machte.
Lancashire-Schmieden mit Herden und Hammer in unterschiedlichen Zuständen
findet in vielen Stellen des Ekomuseums: das Welterbe Engelsberg, Ramnäs,
Karmansbo und Trångfors. Ein sehr altes Walzwerk ist in Surahammars
Hüttenmuseum bewahrt. Werke jüngeren Datums können in Ramsnäs
und Karmansbo angesehen werden.
Die nächste technische Umwälzung kam 1870 mit den
Gusstahlprozessen. Durch die Anwendung von feuerfesten Materialen in Öfen,
welche höhere Temperaturen erlaubten, konnte man das dekarbonisierte
Eisen in fließender Form in großen homogenen Quantitäten
von 10 t oder mehr per Satz herstellen.. Die waren die „Bessemer“-
und „Martin“-Prozesse.
Viel später wurden Stahlöfen mit elektrischer Beheizung-
Lichtbogen- entwickelt. Dies führte zu einem astronomischen Wachstum
der Weltproduktion von Stahl und in immer mehr Ländern. Der schwedische
Anteil in der Weltproduktion wurde trotz der Produktionssteigerung immer
geringer. Die Produktionsvolumen in der Welt wurden erst in den letzten
Jahrzehnten gleichmäßiger und fingen langsam an zu fallen.
Der Einzug der Gusseisenprozesse war der Anlass der Schließung
von noch mehr kleine traditionsgebundenen schwedischen Unternehmen. Weitere
Stillegungen von Werken geschahen in der ökonomischen Krise nach
dem ersten Weltkrieg.
Zu dem Zeitpunkt verschwanden die restlichen Hütten
die mit Holzkohle gefeuert wurden im westlichen Teil von Bergslagen. Alle
Hütten außer der Ruine Klenshyttan sind nunmehr mit dem Erdboden
gleich gemacht worden.
Nach einer weiteren Konzentration in den 1960er und
1970er Jahren umfasst die schwedische Stahlindustrie heute nur noch eine
kleine Anzahl Anlagen, die besonders spezialisiert sind für Produkte
mit Weltklassequalität.
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